In unser Bildergalerie erhalten Sie einige Eindrücke vom 5. Sicherheitstag.
- Herausforderung Security - Wege in eine Sicherheitskultur der Zukunft -
Erfolgreiche Prävention erfordert, dass rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um gegen künftige Gefährdungen gewappnet zu sein. Doch mit welchen Risiken ist zu rechnen? Beim 5. Sicherheitstag NRW, den der VSW NW am 22. Oktober in Kooperation mit den Unternehmen SECURITAS, E-ON und BMW in der Bonner Beethovenhalle durchführte, standen mittel- und langfristig ausgerichtete Prognosen im Vordergrund, die direkt oder indirekt die Sicherheitslage der Gesellschaft und damit auch der Wirtschaft beeinflussen werden. Es war, wie Moderator Reinhardt Rupprecht (MinDir. a.D.) vor rund 80 interessierten Gästen feststellte, ein Blick in die Zukunft, der den Sicherheitsverantwortlichen in den Unternehmen helfen konnte, die absehbaren Entwicklungen besser zu verstehen und sie bei ihrer Aufgabenerfüllung zu berücksichtigen.
Wichtige Erkenntnis der beiden Referenten, die eine Prognose der ferneren Zukunft wagten, Prof. Dr. Günther Schmid vom Bundesnachrichtendienst und Dr. Stefan Carsten, Zukunftsanalytiker bei der Daimler AG, war, dass sich die globale Machtverteilung in den nächsten Jahrzehnten ändern werde. Der Einfluss bisheriger Schwellenländer, insbesondere von China und Indien, werde wachsen. Triebfedern der künftigen gesellschaftlichen Entwicklung und damit auch für die Rahmenbedingungen der Unternehmen werden, so Carsten, ein wachsender national und kulturell motivierter Protektionismus, die Verknappung von Energie und anderen Ressourcen, auch Trinkwasser und Lebensmitteln, und ein wachsender Migrationsdruck von den ärmeren auf die entwickelten Staaten sein. Zu erwarten sei weltweit, dass die Mittelschichten destabilisiert werden und in den Städten - auch bei uns - werde es neben Inseln des Luxus zunehmend Viertel des Niedergangs geben. In der Folge werden sich Angebots- und Nachfragemärkte polarisieren.
Bei den absehbaren Gefährdungen verwies Prof. Schmid insbesondere auf den transnationalen Terrorismus im Gefolge einer globalen, häufig religiös motivierten Radikalisierung sowie die wachsende Zahl von sogenannten Fail-Staaten, zum Beispiel Somalia oder Kongo, deren gewaltoffene Zonen als Operationsbasen für Organisierte Kriminalität und Terrorismus dienen. Als weiteres Gefährdungspotential beschrieb er die horizontale Proliferation, bei der Proliferationsstaaten untereinander kooperieren. Mit neuen Atommächten sei daher zu rechnen. Eine massive Gefährdung gehe auch von den B- und C-Waffen-Arsenalen aus, die derzeit im direkten Umfeld der Europäischen Union aufgebaut werden.
Dass Virenscanner oder Datenverschlüsselung als Abwehrmaßnahmen zu kurz greifen, zeigte Prof. Dr. Hartmut Pohl, Fachbereich Informatik der FH Bonn-Rhein-Sieg, St. Augustin. Gefährlich seien insbesondere gezielte Hackerangriffe, wie jene, die sich 2007 gegen verschiedene Regierungen richteten und eher zufällig entdeckt wurden. Genutzt würden dabei oft noch nicht bekannte oder noch nicht geschlossene (ungepatchte) Sicherheitslücken in der eingesetzten Software. Es sei deshalb wichtig, die Anwendungssoftware und eigene Websites aktiv auf Exploits zu prüfen und bei künftigen Entwicklungen von Software nach dem Threat Modeling-Verfahren vorzugehen.
Mehr Unsicherheit in der Gesellschaft bedeutet in der Regel auch mehr Aufträge für jene, die mit Sicherheitslösungen Geld verdienen. Dass das Sicherheitsgewerbe aber nicht darauf wartet, dass in Deutschlands Städten Ghettoisierung und Gefährdung wachsen, sondern schon heute aktiv nach Zukunftsmärkten sucht, machte bei der Veranstaltung der Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen, Manfred Buhl, SECURITAS Deutschland, deutlich. Bereits jetzt sollten Angebote entwickelt werden, mit denen auf den fortschreitenden Bevölkerungsrückgang und die Alterung der Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten eingegangen werden kann. Als Beispiele nannte er „Notfallmanagement auf der Basis willensunabhängiger Meldungen“, „neue technische System mit höherer Bedienerfreundlichkeit“ und „ÖPV-Lösungen zur Verbesserung des Sicherheitsempfindens älterer Menschen“.
Einem Einzelaspekt der Zukunftsszenarien, der Aussicht dass bewachte Wohnkomplexe (gated communities) eine wahrscheinliche Folge von gesellschaftlichem und demografischem Wandel sein werden, ging Dr. Georg Glasze vom Geographischen Institut der Joh. Gutenberg Universität Mainz auf den Grund. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er auf, dass umzäunte Siedlungen und Ressorts oder auch personell überwachte Appartementkomplexe außerhalb Deutschlands längst eine akzeptierte Wohnform seien.
Angesichts der vielfältigen Herausforderungen der Zukunft widmete sich die Sicherheitstagung auch der spannenden Frage nach der künftigen Rolle des Staats. Prof. Dr. Otto Depenheuer, Direktor des Seminars für Staatsphilosophie und Rechtspolitik an der Universität zu Köln, verwies hierzu unter anderem auf die klare Abgrenzung der Aufgaben der Polizei, die nicht für die private Risikovorsorge zuständig sei. Er sprach sich deshalb dafür aus, der Wirtschaft über die Jedermannrechte hinaus mehr Mittel an die Hand zu geben, sich selbst zu schützen, etwa in Form einer Beleihung von Dienstleistern, zum Beispiel für Aufgaben der Spionageabwehr oder auch für Eingriffe in Kommunikation oder Datenverkehr.
(aus WIK Nr. 6 / Dezember 2008)
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