Zehn Jahre Sicherheitspartnerschaft NRW

Mit einem Festakt im Düsseldorfer Innenministerium feierten die Beteiligten den zehnten Jahrestag der Gründung der Sicherheitspartnerschaft Nordrhein-Westfalen. Die Partnerschaft gegen Wirtschaftsspionage und Wirtschaftskriminalität wird getragen vom VSW NW e.V., von den nordrheinwestfälischen Ministerien für Inneres und Kommunales (mit Polizei und Verfassungsschutz) sowie für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr und von den Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen e.V.

Beim Festakt würdigten Innenminister Ralf Jäger und Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky die gemeinsamen Aufklärungsanstrengungen: „Allein der Verfassungsschutz“, so Jäger, „hat in den vergangenen zehn Jahren mit rund 900 Vorträgen und individuellen Gesprächen 33.000 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden als Multiplikatoren erreicht“.

Innenminister Ralf Jäger würdigte die Aufklärungsanstrengungen der Sicherheitspartnerschaft: Allein der Verfassungsschutz habe in den letzten zehn Jahren über 900 Vorträge und Beratungsgespräche geführt. (Bild: LKA)

Den hohen Stellenwert der Sicherheit für die Organisationen der Wirtschaft unterstrich Dirk Grünewald, Vizepräsident des Vereins „Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen e.V.“. Für den Vorstand des VSW NW warb Florian Haacke, Leiter Konzernsicherheit der METRO GROUP, um kooperatives Denken: „Solide Partnerschaften sind die Grundlage, um gemeinsam und verantwortungsvoll Sicherheit zu gestalten, Freiheit zugewähren und Panik und Angst zu vermeiden“. Unternehmenssicherheit verstehe sich heute als ein Glied in der Prozesskette im Unternehmen mit entscheidender Bedeutung für den Unternehmenserfolg: „Sie durchzieht in der Wirtschaft viele strategische und operative Prozesse. Dies beginnt bereits bei der Planung und Gestaltung des Einstiegs in neue Märkte. Aber auch Kernprozesse, wie Einkauf, IT, Logistik und Verkauf bis hin zum Cash Management, werden durch vielfältige Sicherheitsmechanismen nachhaltig gestützt.“ Viele Schnittstellen und Kooperationen ermöglichen diese Leistung – nicht zuletzt auch das fruchtbare Miteinander in der Sicherheitspartnerschaft NRW”.

Stellvertretend für Wirtschaft und Staat in der Sicherheitspartnerschaft: Mathilde Koller, Abteilungsleiterin, Verfassungsschutz im Ministerium für Inneres und Kommunales – und Florian Haacke, Mitglied des Vorstandes des VSW NW. (Bild: Redaktion)

Allen Beteiligten war bewusst, dass sich der Kampf gegen Wirtschaftsspionage und Wirtschaftskriminalität heute – anders als noch vor zehn Jahren – ganz überwiegend mit der Informationstechnik befassen muss. So war es nur logisch, dass den Festvortrag ein Vertreter des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnikhielt: Dr. Gerhard Schabhüser, Abteilungsleiter Krypto-Technologie beschrieb Angrif- und Schutzmaßnahmen. Erschreckende Zahlen belegen die Bedrohung: „Wir verzeichnen täglich 13 Schwachstellen in Standardprogrammen, 60.000 neue Schadprogramme, 20.000 infizierte Webseiten.“ Bemerkenswert: Statistiken belegen, dass in einer Software ca. fünf Fehler pro 1.000 Zeilen Code auftreten. Das heißt, eine typische heutige Anwendung kann 400.000 Fehler haben. Nicht alle, aber einige bieten Angriffstore. Dr. Schabhüser: „Es findet eine systematische Suche nach Schwachstellen statt, die in einer internationalen und arbeitsteilig organisierten Untergrundwirtschaft erfolgt. Denn Schwachstellen und geeignete Angriffsmittel haben sich zur Handelswareentwickelt, die auf illegalen Marktplätzen verkauft und zum Teil mit 24/7 Support angeboten wird – zum Beispiel Trojanerbaukästen.“ Der Schaden durch Internet-Kriminalität habe in den letztenzwölf Monaten in Deutschland 16,4 Mrd. € betragen, weltweit 114 Mrd. US$.

Auch Dr. Schabhüser begrüßte die Sicherheitspartnerschaft und offerierte als Bundesbehörde den Ländern einen intensivierten Austausch und den Unternehmen als konzeptionellen Leitfaden die IT-Grundschutz-Kataloge des BSI, um Maßnahmen für die IT-Sicherheit in verschiedenen Bereichen zu realisieren.

Im Zuge der Sicherheitspartnerschaft sind vielfältige Beziehungen zwischen Sicherheitsbehörden und Wirtschaft entstanden. (Bild: LKA)

Moderiert wurde die auch musikalisch anspruchsvolle Veranstaltung (Jazzensemble des Landespolizeiorchesters Nordrhein-Westfalen) von Mathilde Koller, der Abteilungsleiterin Verfassungsschutz als Repräsentantin des gastgebenden Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Festakt zum zehnjährigen Bestehen war deshalb auch willkommener Anlass zu gegenseitiger Information und Meinungsaustausch. (Bild: LKA)

Für einen stimmungsvollen Rahmen des Festakts sorgte das Jazzensemble des Landespolizeiorchesters Nordrhein-Westfalen. (Bild: LKA)

(aus WIK Nr. 6 /2011)

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